Zitat:

Ein Raum ohne Bücher ist wie ein Körper ohne Seele ... [Cicero]

Freitag, 13. November 2015

Lesung: Patrick Hertweck mit "Maggie und die Stadt der Diebe"



Gestern Abend war in der Stadtbibliothek in Gaggenau eine Lesung des Autors Patrick Hertweck zu seinem Buch "Maggie und die Stadt der Diebe". Dazu gab es ein tolles Werkstattgespräch geführt von Ute Kretschmer-Risché, das sehr informativ und auch lustig war. Im Anschluss hat er mir noch meine Maggie signiert. Natürlich habe ich das Buch auch bereits gelesen, die Rezi dazu reiche ich die nächsten Tage noch nach. Nur so viel, ich bin begeistert!


Beginn der Lesung war 19:00 Uhr. Ich war kurz nach 18:30 Uhr bereits dort, zahlte meine Karte und suchte mir ein gutes Platzerl. Patrick Hertweck war bereits da und unterhielt sich mit einigen Gästen, die sich als seine ehemalige Klassenkameraden heraus stellten. Klar, schließlich hat der in Baden-Baden geborene Autor einen Großteil seiner Jugend in Gaggenau gewohnt und ist dort auch zur Schule gegangen. Auch mich begrüßte er herzlich und wusste von Facebook sogar meinen Namen. Während er wartete, dass sich die Plätze füllten, erzählte er von seiner ersten Lesung dieses Tages, die er vor Schulklassen gehalten hatte. Ein Schüler mokierte sich offenbar darüber, dass die Unterschirft des Autors bei seinem Klassenkameraden besser lesbar war und bestand auf eine neue Signatur. Tja, die lieben kleinen Kinderchen!
Dann ging es mit seiner zweiten Lesung vor Publikum, aber seiner ersten Lesung vor Erwachsenen los. Das ganze startete mit dem Werkstattgespräch und offenbarte einige amüsante Anekdoten aus dem Leben des Autors.


Wie die meisten Autoren hat auch Patrick einige Rituale, die ihm beim Schreiben helfen. So steht in der Mitte des Tisches immer sein Laptop, recht davon eine Spezi und links davon ein Kaffee. Während der Erschaffung von Maggie saß er dabei in seiner Lieblingsbar in Freiburg. Während eines Urlaubs bei den Schwiegereltern, musste er die Erfahrung machen, dass sich dieses inspirierende Plätzchen nicht so einfach austauschen lässt. Trotz abklappern sämtlicher Bars vor Ort, suchte ihn eine ausgewachsene Schreibblockade heim, die dazu führte, dass der Urlaub nach einer Woche abgebrochen werden musste.
Lediglich 12 Wochen hatte er nach Zusage des Verlages seine Maggie zu Papier zu bringen.


Sein erstes Buch ist Maggie jedoch nicht. Sein Erstlingswerk, das laut dem Autor 1000 lang ist, erzählt eine Geschichte, der Maggies gar nicht so unähnlich. So verriet er, dass es darin um einen Jungen im viktorianischen London geht, der nach seinen Wurzeln sucht. Wieso seine Figuren immer wieder auf der Suche nach ihrer Vergangenheit sind, konnte er jedoch nicht sagen, da er selbst ja seine Eltern kennt. Außer es gäbe da noch ein dunkles Geheimnis von dem er nichts wüsste, fügte er schmunzelnd hinzu.


Das er gerne Autor werden würde, offenbarte sich ihm, nachdem er mit 13/14 Jahren das Buch 'ES' von Stephen King gelesen hatte und voll und ganz in diese Welt abgetaucht war. Da wusste er: "So etwas möchte ich auch können." 
Seine ersten Geschichten erzählte er - laut der anwesenden Schwester - anfangs immer beim Wandern, doch hatte er das nervige Problem mittendrin das Interesse zu verlieren. So blieben seine ersten Werke allesamt unvollendet. Erst viel später, nach einem Jobwechsel und der Geburt der Kinder, besann er sich auf seinen Traum vom Schreiben. 


Die erste Inspiration für "Maggie und die Stadt der Diebe" fand er in einem Freiburger Antiquariat. Dort wühlte er regelmässig in den Bücherkisten und stieß dabei auf ein Buch von den 1920er Jahren, in dem es über das Bandenwesen New Yorks ging. Unter anderem auch, um den letzten in New York gehängten Piraten namens Albert W. Hicks. Seine Geschichte kam ihm von Anfang an seltsam vor und so entstanden in seinem Kopf die ersten Ideen für Maggies Vorgeschichte, die im Buch erst nach und nach aufgedeckt wird.

Auf die Frage, wieviel Patrick in seinem Buch steckt, meinte er ganz bestimmt: "Goblin, das bin ich!" Lachen erhob sich im Publikum und auch Hertweck musste über seine Wortwahl schmunzeln. Goblins Schmerz und Selbstzweifel, das sei er, nur abgeschwächt, aber all' diese Gefühle kenne er zu gut.

Außerdem verriet er, das einer der vorläufigen Titel seines Buches "Maggie und die Stadt der Schatten" war, jedoch vom Verlag abgelehnt wurde. Er bestritt auch nicht, dass Dickens "Oliver Twist" durchaus ein Vorbild für Maggie war, doch gelesen hat er selbst den Roman noch nie. Dickens habe aber sicher nicht nur ihn inspiriert, sondern viele Romane dieser Art geprägt.
Goblin, der im Buch auch als Fagin bezeichnet wird, verdankt diesen Namen jedoch nur indirekt Dickens. Vielmehr stammt der Name von einer echten Person dieser Zeit (in der auch Maggies Geschichte spielt), über die er bei seinen Recherchen stoß. Italian Dave war der Name dieses Mannes, der sich in Anlehnung an Dickens selbst auch Fagin nannte.


Eine Fortsetzung von Maggie soll es laut Patrick Hertweck leider nicht geben. Sowohl für den Verlag, als auch ihn selbst würde sich dies einfach nicht richtig anfühlen. Er arbeitet jedoch bereits an einem neuen Roman, dafür müsse er sich aber wohl erst noch einen neuen Platz zum Schreiben suchen, da die Bar nicht mehr passt. Lachend erzählte er, dass er am Überlegen sei, ob er sich nicht in der Freiburger Stadtbibliothek niederlassen solle, mit Blick auf das Münster. Wir dürfen gespannt sein!

Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen