Zitat:

Ein Raum ohne Bücher ist wie ein Körper ohne Seele ... [Cicero]

Mittwoch, 23. September 2015

Die Geister von Darkling von Michael Boccacino

Titel: Die Geister von Darkling
Autor: Michael Boccacino
Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 303, Taschenbuch
ISBN: 3-404-20736-X

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Rezension: Als Charlotte bei ihrem neuen Arbeitergeber Mr. Darrow auf dem Anwesen Everton als Gouvernante beginnt, wird sehr schnell klar, dass der Schatten der verstorbenen Ehefrau und Mutter noch immer über allem schwebt. Außerdem bringt Charlotte selbst ein dunkles Geheimnis mit ins Haus. Als eine der Angestellten umgebracht wird, nimmt sich Charlotte beherzt der Kinder an und muss schon bald feststellen, dass die Grenzen zwischen dem Reich der Albträume und der Lebenden dünner sind als sie dachte. Das Haus Darkling erscheint wie durch Magie unweit des Herrenhauses und lässt sie und die beiden Jungen James und Paul vortan nicht mehr aus seinem Bann. Dabei werden sie nicht nur in eine politische Revolte grauenerregender Wesen gezogen, nein die verstorbene Mutter der Jungen klammert sich in diesem obskuren Anwesen an ihr vergangenes Leben und lockt ihre Kinder immer wieder zu sich. Charlotte macht in Darkling jedoch nicht nur eine abscheuliche Entdeckung nach der anderen, sie stellt auch fest, dass ihr eigenes Geheimnis fest mit Darkling verbunden ist. Wird sie doch selbst seit sie ein Kind ist von einer dunklen Erscheinung gepeinigt, die dort ihren Ursprung zu haben scheint.


Das Ganze beginnt wie ein unterhaltsamer, virktorianischer Gruselroman voll morbidem Charm. Leider ändert sich dieser Eindruck ab dem Moment in dem das Haus Darkling in Erscheinung tritt. Die Geschichte wandelt sich zu einem obskuren Etwas, das sich jeglicher Genre Einordnung entzieht und selbst vor einer politischen Rebellion nicht zurück schreckt. Aber beginnen wir von Vorne.

Die Charaktere sind interessant gezeichnet und ergänzen sich recht gut, auch wenn nicht alle Entscheidungen, welche die einzelnen Figuren treffen logisch oder gar nachvolziehbar sind. Besonders Charlottes Gedankengänge wirken oft geradezu erzwungen und angesichts der Situationen nicht schlüssig. Henry Darrow, der Vater der Jungs und Charlottes Arbeitgeber ist so mit sich und seinem Jammertal beschäftigt, dass er einem niemals wirklich ans Herz wachsen kann. Seine verstorbene Frau Lily bleibt eine unterkühlte Erscheinung aus der man bis zum Schluss nicht schlau wird. Der Herr von Darkling und seine Tochter samt allen anderen Figuren dieser seltsamen Welt um Darkling wirken einfach nur verstörend.
Lediglich die beiden Jungs James und Paul wachsen einem ans Herz, auch wenn sie keine wirklich große Rollen inne haben. Eine Figur, die wirklich interessant werden hätte können, tritt leider erst ganz zum Schluss in Erscheinung und wirkt wie ein schwacher Abglanz seiner selbst. Wie kleine Figuren in einem Schachspiel erscheinen die Charaktere, hin und her geschleudert von den Intrigen einer fremdartigen Welt. Dieses unübersichtliche Mischmasch an Figuren wird aus dem viktorianischen Gruselroman Genre - in dem sie besser geblieben wären - ziemlich schnell in ein nicht weniger verwirrendes Albtraumreich geschleudert. Das meiste der Geschichte spielt dort in dieser Welt voller Monster mit Tentakeln, die mich wieder sehr an Lovecraft erinnerten.

Was ist das nur mit männlichen Autoren und Tentakeln, als gäbe es keine andere Gestaltungsform für Monster?

Damit nicht genug, sind die Abenteuer in dieser Welt gespickt mit widerlichen Ritualen, in der die menschliche Haut, die diese Wesen wie einen Anzug tragen, nur so in Fetzen durch die Gegend fliegen und sie sich ihre Tentakeln abschneiden, um sie dann den versammelten Gästen als Mahlzeit darzubieten. Einige Szenen dieser Art waren hart an der Brechreizgrenze.

Zu guter Letzt ist da noch der Schluß, der kein wirklicher Schluß ist, da zuviel offen bleibt und eine Fortsetzung fürchten lässt. Außerdem glänzt er geradezu vor Logiklöchern. Alles in allem ein liebloser Schluß, der an seinem eigenen albtraumhaften Konstrukt scheitert und einen unbefriedigt zurück lässt, nichts scheint wirklich zu Ende gebracht, nicht einmal die unglaubwürdige Romanze zwischen Charlotte und ihrem Arbeitgeber Henry.

Fazit: Für Leser, die es derbe und ekelhaft mögen, mit einer Story irgendwo zwischen obskur und Albtraum. Inklusive so vieler unausgegorener Elemente, dass man es unmöglich irgendwie in eine sinnvolle Reihenfolge bekommt. Die drei Punkte Wertung verdank es hauptsächlich dem wirklich tollen Anfang und einigen wenigen Figuren, die man beinahe gerne haben könnte.

Wertung:

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