Zitat:

Ein Raum ohne Bücher ist wie ein Körper ohne Seele ... [Cicero]

Dienstag, 14. Juli 2015

Lavendelbitter von Elinor Bicks

Titel: Lavendelbitter - Ein Gartenkrimi
Autor: Elinor Bicks
Verlag: Gmeiner, Hardcover
Seiten: 349
ISBN: 3-8392-1643-5

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Rezension: Lore Kukuks letzte Verabredung wird tot aufgefunden. Am Tatort der unverkennbare Geruch nach Lavendel. Das reicht um Lore, die dorfbekannt für ihre Kräuterdrogen Experimente ist, in Verdacht zu bringen, denn ihr Leben säumen einige zweifelhafte Todesfälle. Nicht nur die Dorfbewohner sind schnell von einem neuen Kukusmord überzeugt, auch Grünschnabel und Ermittler Brenneisen sieht in ihr eine Hauptverdächtige. Zum Glück hat Kommisar Otto da noch ein Wörtchen mitzureden. So beginnen Ermittlungen, die nicht nur Lores Leben durcheinander wirbeln.

Sprachlich braucht der Roman eine ganze Weile, bis sich ein richtiger Lesefluss eingestellt hat. Auch mit den einzelnen Figuren wird man nur sehr langsam warm, wirklich sympathisch ist mir bis zum Schluß keiner geworden. Die ersten Kapitel handeln von soviel Gerüchen, Schweiß und anderen Ausdünstungen, dass es mich etwas geeckelt hat weiterzulesen. Nach etwa 150 Seiten kommt die Geschichte samt der trägen Akteure langsam etwas in die Gänge. Es werden immer wieder Rückblicke aus Lores Leben zwischen geschoben, die ihre aktuelle Situation unterstreichen. Der Lavendel ist dabei überall gegenwärtig. So fürchtet Lore sogar unter dem Lavendel in ihrem Garten sei ihr Großvater vergraben und mauert so bei den meisten Kontaktversuchen anderer, um dieses vermeintliche Geheimnis von Oma Kukuk zu schützen. Ihre Großmutter war eine waschechte Kräuterfrau und Lore, die nach deren Tod, Oma Kukuks Kräuterbuch findet, expirementierte in ihrer Studienzeit selbst etwas damit herum. Heraus kamen Drogen aus Tollkirschen und anderen Giftpflanzen ... bis es schließlich nicht nur einen Freund, sondern auch ihrem Verlobten das Leben kostete. Inzwischen lässt Lore deshalb die Finger von solchen Experimenten und lebt ihr Leben mehr oder weniger vor sich hin. Immer an ihrer Seite, ihre Kindheitsfreundin Edel, die zu ihr zu halten scheint und als einzige auf Lores Seite steht, als die ersten Verdächtigungen ausgesprochen werden. Sie scheut auch nicht vor einem falschen Alibi zurück, nutzt es jedoch später gegen Lore.

Edel ist einem von Anfang an suspekt, verhält sich Lore gegenüber im Laufe des Roman immer überheblicher und reiht sich damit perfekt in das Kabinett der Trauerfiguren aus dem Roman ein. Brenneisen ist zu arrogant und voreingenommen gegenüber anderen, um den Hauch von Sympathie auszulösen. Lore bleibt blass, man würde sie hin und wieder gerne wachschütteln oder ohrfeigen. Außerdem macht sie sich nicht gerade mit Tierliebe beliebt, ihr Schicksal kümmert einen deshalb nur bedingt. Allein Otto hat seine Momente, wenn er sich nicht gerade als Stalker seiner Ex betätigt oder seinen Hund bei brütender Hitze im Auto zurücklässt, aber dazu später mehr. Die Ermittlungen selbst lassen nicht wirklich Spannung aufkommen, sind jedoch recht interessant. An echtem Kräuterwissen, konnte ich bis auf die Drogengeschichte leider nichts erkennen. Die Autorin bringt es sogar fertig dem Lavendel Eigenschaften anzudichten, die er nicht hat. Als gäbe es keine interessanten Giftpflanzen, die diese Rolle real übernehmen hätten können. Schade!
Einige Ansätze, die während der Ermittlungen von Otto und Brenneisen erkennbar werden, machen es wirklich schwer zu erraten, wer der Täter sein könnte. Das wurde geschickt gemacht und hält so ein gewisses Maß an „ich will weiterlesen“ aufrecht. Zum Schluss muss man sogar feststellen, dass man total auf dem Holzweg war. Es hat mich wirklich überrascht, wie alles aufgelöst wurde, das war wirklich gelungen und stimmig. Leider wurde dafür ein Fantasie-Lavendel erfunden und das fand ich enttäuschend. Ohne diese erfundene Pflanze, wäre die ganze Geschichte nicht auflösbar gewesen. Dabei rühmt sich die Autorin damit, sich in die Materie der Kräuterkunde vergraben zu haben.

Der Krimi hat wirklich einige Defizite, neben fehlender Spannung, unsympathischen Figuren und inhaltlichen Schwächen. Trotzdem reicht es noch, um einen am Weiterlesen zu halten und das Ende war überraschend, jedenfalls für mich. Dafür hätte ich sogar noch „3 Sterne“ vergeben mögen. Leider gibt es, abgesehen von zahlreichen Tieropfern, die vergiftet, eingeschläfert oder beinahe getreten werden auch noch eine Sache, die in meinen Augen absolut unverantwortlich ist. Der Ermittler Otto lässt nämlich einen seiner Hunde während einer Hitzewelle in seinem Auto zurück (Seite 270), um einen verdächtigen Laden zu untersuchen. Angesichts dessen, dass jedes Jahr zahlreiche Hunde qualvoll ums Leben kommen, weil sie in überhitzten Autos zurück gelassen werden, kann ich nicht verstehen, wie ein Verlag diese Szene nicht im Lektorat streichen konnte. Dass er die Scheiben runter dreht und das Auto im Schatten parkt, bringt in so einem Fall leider kaum etwas bis gar nichts. Ein Buch hat eine eindeutige Vorbildfunktion, da ist so etwas ein absolutes No-Go und dafür gibt es von mir die rote Karte und einen ganzen Stern Abzug. Daher nur 2 von 5 Sternen.

Wertung:

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