Zitat:

Ein Raum ohne Bücher ist wie ein Körper ohne Seele ... [Cicero]

Sonntag, 5. April 2015

Elfenzauber (Elfensaga Bd. 1) von Dennis L. McKiernan

Titel: Elfenzauber
Autor: Dennis L. McKiernan
Reihe: Elfensaga Bd. 1 (5 Bände innerhalb der Mithgar Reihe) / Mithgar Bd. 1 von bisher ca. 20 Bänden
Verlag: Weltbild, gebunden
Seiten: 348
ISBN: 978-3-86800-974-3

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Rezension: Die Elfe Arin hat eine Vision von Krieg, Seuchen und Verderben. Im Mittelpunkt davon steht ein seltsamer grüner Edelstein in der Form eines Ei. Um das Verhängnis abzuwenden, macht sie sich zusammen mit einigen anderen Elfen auf die Suche nach Antworten. Ihr Weg führt sie nach einigen Umwegen zur Zaubererfeste. Dort werden verschüttete Elemente ihrer Vision ans Licht befördert: eine Prophezeiung. Der erste Teil bindet sie an Aiko, eine Kriegerin aus dem fernen Ryodo mit deren Hilfe sie die anderen Strophen der Prophezeiung zu erfüllen versucht, nur so kann das Verhängnis verhindert werden. So landen sie in Morkfjord auf der Such nach dem Einauge in Dunklem Wasser. Doch damit ist ihr Abenteuer noch lange nicht zu Ende ...

Wie die Verlage auf die Idee kommen, den Autor als ein Muss für Tolkienfans zu bewerben, erschließt sich mir nicht. Im Gegenteil denke ich, dass sie sich damit ein Eigentor geschossen haben. Denn an den Schreibstil Tolkiens reicht McKiernan nicht einmal annähernd heran. Das einzige, was hier an Tolkien erinnert sind die Ideen, derer er sich großzügig bei Tolkien bedient.
Das Buch beginnt mitten in der Geschichte, als Arin und Aiko bereits in Morkfjord angekommen sind. Das heißt jedoch nicht, dass man sich vor Spannung gleich kaum auf dem Stuhl halten kann. Im Gegenteil, erst ab etwa Seite 220 wird das Tempo langsam angezogen. Zuvor bekommen wir aber noch die Suche nach dem Einauge in Dunklem Wasser mit und haben dabei die Wahl zwischen einem alten einäugigen Säufer und einem gutaussehenden Freibeuter, der gerade erst sein Auge verloren hat. Eben diese Beiden bekommen dann auch die Vorgeschichte von Arin erzählt. Und ab da geht es erst einmal bergab.
Zu offensichtlich bedient sich der Autor Tolkiens Ideenreichtum und erschaft lediglich einen mutierten Mittelerdeklon. Vanidar Silberblatt ist allzu deutlich Legolas Grünblatt nachempfunden, der Greisenbaumwald hat verdächtig viel Ähnlichkeit mit Lorien. Die Elfen sind jedoch keine edlen Geschöpfe, sondern klein mit kindlichen Gesichtern und wecken in mir das Gefühl es mit Peter Pan und seinen verlorenen Jungs zu tun zu haben. Als sich zwischen Arin und einem der Menschen sogar eine Liebesgeschichte anbahnt, musste ich erst einmal das Gesicht verziehen. Ihr eher kindliches Erscheinungsbild gepaart mit einem erwachsenen Mann hinterlässt bei mir ein komisches Gefühl.
Aiko und ihre Geschichte dagegen, erinnerte mich stark an Mulan. Bei der Beschreibung der Kriegerin hat McKiernan es farblich etwas zu gut gemeint und beschreibt sie als Safrangelb. In meinem Kopf entstand so das Bild einer quietschegelben Frau mit schwarzen Augen, die mich fast etwas gruselte.
Die meisten anderen Figuren bleiben blass, man erinnert sich nicht einmal an ihre Namen. Insgesamt sind nur etwa fünf Personen so gut gezeichnet, dass sie einem im Gedächtnis bleiben.
Auch der Schreibstil hat so seine Tücken. Ich habe anfangs ewigs gebraucht um in einen Lesefluss zu kommen. Die Qualität ist recht unterschiedlich, steigert sich jedoch zum Schluss hin. Ob dies nun an der Übersetzung oder auch am Original liegt, kann ich jedoch nicht beurteilen.
Hin und wieder wäre aber in jedem Fall eine Fussnote zu dem ein oder anderen unbekannten Wort hilfreich gewesen.

Leider gibt es in der Geschichte auch keinen wirklichen Spannungsbogen. Die ersten 200 Seiten reiten sie lediglich in einer Welt umher, bei der sich einfach kein wirkliches Gefühl für deren Ausmaße einstellen will. Zahlreiche Chancen, um das Tempo anzuziehen verstreichen ungenutzt. Weder im Wolfswald, noch im Skög, in dem Etwas hausen soll, passiert etwas. Seltsamen Geräuschen wird nicht nachgegangen.
Zwischendurch finden sich dazu immer extrem kurze Kapitel in denen lediglich beschrieben wird, was sich gerade im Osten, Westen, Norden und Süden der reisenden Elfentruppe befinden, mit der Arin anfangs unterwegs ist. Einige Orte erscheinen mir jedoch unrealistisch. Der Greisenbaumwald befinden sich beispielsweise auf einer Insel mitten in einem Fluss, ist jedoch so groß, dass es mehrere Tage braucht sie zu durchqueren und obendrein durchzogen von anderen Flüssen. Wie das gehen soll begreife ich nicht.
Als die Geschichte einen dann ganz zum Schluss zu fesseln beginnt, weil der Autor endlich seine Stärke gefunden hat und es spannend wird, ist es auch schon zu Ende ... mitten in der Geschichte. Fortsetzung folgt in Elfenkrieger!

Hätte sich der Autor von Anfang an mehr auf seine eigenen Stärken konzentriert anstatt einen schlechten Mittelerdeklon zu erschaffen und das Tempo etwas angezogen, wäre der Roman sicherlich richtig gut geworden. Es gab sogar einige Lacher während der letzten Kapitel und man konnte unerwarteterweise richtig mitfiebern. Selbst Aiko gelang es noch sich meine Sympathien zu sichern. Ich werde die anderen Bände ganz sicher auch noch lesen, in der Hoffnung, dass der Autor die Qualität vom Schluss zu halten vermag. Allen die Elfenzauber ebenfalls lesen wollen, rate ich wenigstens die ersten beiden Bände sofort zu kaufen, damit ihr nicht dumm aus der Wäsche schaut, wenn plötzlich einfach schluss ist.

Wertung:

Kommentare :

  1. Ich hab das Buch auch mal vor einiger Zeit gelesen, da meine Tante mir das Buch empfohlen hat. Es hatte einfach unglaubliche längen, dabei gab es, wie du schon erwähnt hast, durchaus potential.

    Liebe Grüße

    Thebookpassion

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    1. Da bin ich froh, dass nicht nur ich so über dieses Buch denke. Tolkien hat ja auch gerne ausführlich Landschaften beschrieben, bei ihm passierte aber zwischendurch immer wieder etwas und die Charaktere waren auch interessanter angelegt. ;)

      Grüßle, Nadine.

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