Zitat:

Ein Raum ohne Bücher ist wie ein Körper ohne Seele ... [Cicero]

Montag, 30. März 2015

Saeculum von Ursula Poznanski

Titel: Saeculum
Autor: Ursula Poznanski
Verlag: Loewe, Taschenbuch
Seiten: 493
ISBN: 3-7855-7783-4

»kaufen«

Rezension: Bastian kennt Sandra erst seit kurzem, als er mit ihr auf einen Mittelaltermarkt geht. Dort eröffnet sich für ihn eine völlig neue Welt. Erst recht, als sich Sandra dafür einsetzt, dass er mit zu einem ihrer Live-Rollenspiele der Gruppe Saeculum kann. Mitten in der Wildnis, abgeschieden von allem und unter verschärften Bedingungen wollen sie ihrer Leidenschaft dem Mittelalter fröhnen. Paul, der Anführer der Gruppierung spricht sich ebenfalls dafür aus und so ist es beschlossen. An Pfingsten beginnt das Abenteuer. Doch schon kurz nach der Ankunft stossen sie auf seltsame Botschaften und Hinweise auf einen mysteriösen Fluch aus alter Zeit. Als dann die ersten Mitglieder auch noch spurlos verschwinden wird aus dem harmlosen Spiel schnell ein echter Albtraum. Steckt hinter dem ganzen wirklich ein alter Fluch oder weiß die geheimnisvolle Iris mit den verrückten Haaren womöglich wer dahinter steckt?

Dieser Thriller ist ein echter Pageturner und sicher nicht nur für Jugendliche geschrieben, auch wenn das Alter der Charaktere ums Studienalter angesiedelt ist. In den ersten Kapiteln lernen wir gleich die wichtigsten Figuren kennen. Bastian den Streber, Arztsöhnchen und selbst Medizinstudent. Sandra, die bei all dem Rumgeturtel mit Bastian ein ungutes Gefühl auslöst. Man traut ihr von Anfang an nicht über den Weg. Paul der Anführer und Schönling der Gruppe. Iris, die etwas seltsame und introvertierte mit den merkwürdigen Haaren, die so wunderbar Harfe spielen kann. Doro die Verrückte mit den Visionen von Untergang und Verderben, sowie George und Lisbeth, das strahlende Traumpaar. Und dann noch Steinchen und Warze, zwei dufte Kumpels. Jetzt könnte man der Autorin unterstellen, sie bediene sich der typischen Rollenklischees. Doch ist es nicht im echten Leben tatsächlich so? Es ist auch genau diese Mischung, die für eine spannende Dynamik während dem späteren Verlauf der Geschichte und einigen Überraschungen sorgt.
Besonders Bastian und Iris machen eine enorme Wandlung durch. Bei Iris spürt man gleich zu Anfang, dass hinter ihrem schroffen Verhalten mehr stecken muss. Das bemerkt auch Bastian ziemlich bald. Wer jetzt jedoch fürchtet eine Liebesschnulze in das ganze eingeflochten zu finden, der täuscht. Die Entwicklung zwischen Iris und Bastian passiert so schleichend und dezent, dass sie einem ganz natürlich erscheint.

Und jetzt zum Eigentlichen! Kurz nach der Ankunft gibt es die ersten Botschaften, immer mit Verweis zu einem Fluch, über dessen Geschichte ("Die Blutgruft") Paul kurz zuvor noch im Zug gesprochen hatte. So soll sich auf dem Grund und Boden des Waldstückes einst eine Burg befunden haben, auf der furchtbares Unrecht ungesühnt blieb und einen Fluch zurück ließ. Welch ein Zufall! Zuerst ist man skeptisch und meint bereits zu wissen, was als nächstes passiert. Doch dann stellt sich heraus, dass die Botschaften selbsterfüllende Prophezeiungen sind. Der ideale Nährboden für Dora, die sich immer mehr in den Fluch hinein steigert und damit alle erst recht verrückt macht. So wird die Stimmung von Botschaft zu Botschaft immer mehr aufgeheizt und man spekuliert wild herum. Als die ersten Mitglieder spurlos verschwinden wird es gefährlich. Das unberechenbare Wetter im Rücken und schon bald mit den ersten Verletzungen kämpfend, versuchen sie Hilfe zu holen. Das ist gar nicht so einfach, denn alle mordernen Hilfsmittel mussten zuvor abgegeben werden und der Weg aus dem Lager und dem Waldgebiet heraus ist beschwerlich. Dazu sind die Lebensmittel von Ungeziefer durchseucht und der Hunger nagt zusätzlich an der Motivation aller Teilnehmer. Gerade in diesem Moment, gepeinigt von den Elementen und dem eigenen Körper entdecken sie den Eingang zu einer Höhle (Höhle und Blutgruft, langsam macht es klick?!), doch damit beginnt der wahre Albtraum erst ...

Es gibt tatsächlich einige Stellen bei denen man sich mit der Hand an den Kopf langt, weil es einfach unlogisch und unglaubwürdig ist. Besonders im Nachhinein.
Wie der Hund so weit entfernt vom Lager einen anderen Eingang zur Höhle finden konnte, durch den er auch noch rein und wieder raus konnte, bleibt ungeklärt. Ich fand es offen gestanden etwas schade, dass dieser unentdeckte Ausgang zum Schluss nicht doch noch eine Rolle gespielt hat. Damit hatte ich nämlich fast gerechnet.
Trotzdem hat mich der Schluss wirklich von den Socken gehauen, denn ich für meinen Teil hätte damit nicht gerechnet. Hier verschieben sich einige Sympathiepunkte komplett. Interessant war es auch zu sehen, wie weit einzelne Personen bereit sind zu gehen um ihre Ziele zu erreichen oder ihr eigenes Leben zu schützen.
Es erscheint mir jedoch leider unlogisch, wie das ganze aufgelöst wird. Dass es für kaum einen der Schuldigen Kosequezen haben soll und ausgerechnet die Unschuldigen sich Sorgen machen wegen der Polizei? Einem Studenten der Medizin hätte ich doch etwas mehr Verstand zugetraut. Und wieso die Leidtragenden und Schwerverletzten schweigen sollten, ist mir ebenfalls unbegreiflich. Aus Schamgefühl sicher nicht! So ist das Ende für mich etwas unbefriedigend.

Trotz dieser Abstriche zum Schluss hin, hat mir das Buch regelrecht den Schlaf geraubt. Ich konnte es nicht aus der Hand legen, bis ich wusste was nun wirklich dahinter steckt. Mit Iris hat die Autorin außerdem eine faszinierende und liebenswerte Figur geschaffen, hinter deren seltsamen Äußeren so viel mehr steckt, als es anfangs scheint. Man hofft und fiebert mit, dass seinen Lieblingen nichts zustösst und atmet erleichtert auf, sobald eine Gefahr unbeschadet überstanden ist. Nichts desto trotz, hätte das Ende einen durchdachteren Schluss verdient, bei dem man nicht mit dem Gefühl zurück bleibt die Bösen hätten gewonnen.

Wertung:

Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen