Zitat:

Ein Raum ohne Bücher ist wie ein Körper ohne Seele ... [Cicero]

Mittwoch, 11. Februar 2015

Die Treppe im See von Ronald Malfi

Titel: Die Treppe im See
Autor: Ronald Malfi
Verlag: Voodoo Press, Taschenbuch
Seiten: 384
ISBN: 978-3-902802-16-3

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Rezension: David und Jodie ziehen in einer altes Haus in der Nachbarschaft von Davids Bruder. Ein kleines Dorf mitten im Nichts während des Winters. Bereits kurz nach ihrer Ankunft geschehen beunruhigende Dinge im Haus. Schatten huschen umher, David vernimmt Geräusche hinter der Wand. Ein Geheimversteck mit sonderbarem Inhalt scheint nicht das einzige Überbleibsel der ehemaligen Bewohner. Dann erfährt das Paar, dass einst ein Junge, der in dem Haus lebte auf mysteriöse Weise starb, doch seine Leiche wurde nie gefunden. David, der immer noch vom Unfalltod seines jüngeren Bruders als Kind traumatisiert ist, scheint darüber langsam den Verstand zu verlieren. Was hat das versteckte Zimmer im Keller und die Treppe, die wie ein Mahnmal mitten im See beim Haus aus dem Wasser ragt mit all dem zu tun?!
Eines vorab, dem Verlag ist ein kleiner Schnitzer bei der Inhaltsangabe auf der Buchrückseite passiert. Statt David wurde der Name Travis abgedruckt. In der deutschen Ausgabe heißt der männliche Hauptcharakter jedoch definitiv David.

Von der Grundstimmung her ist die ganze Storyline unterkühlt, die Geschichte beginnt mit einer wirren Rückblende voller psychedelischem Geschwätz. Solches Psychogequatsche findet sich durch den ganzen Roman durch hinweg immer wieder. Das ganze gespickt voller Selbstvorwürfe um ein Ereignis aus Davids Kindheit. Er scheint davon überzeugt seinen jüngeren Bruder umgebracht zu haben. Er ist durch die Bank weg wirr und unsympathisch. Außerdem führen diese Zwischensequenzen dazu, dass es immer wieder zu Längen kommt, in denen man sich zum Weiterlesen zwingen muss. Auch die restlichen Personen im Roman schaffen es nicht, einem auch nur im Mindesten etwas Sympathie abzuringen. Davids Frau bleibt farblos und ihre ständigen Zweifel am eigenen Mann nerven nach den ersten Kapiteln einfach nur noch. Sein großer Bruder spielt sich als Besserwisser auf und der Rest bleibt stumpf und farblos. Es gibt durchaus gute Ansätze und ansatzweise gruslige Geschehnisse, leider werden diese sofort von David kaputtanalysiert, bis eine logische Erklärung gefunden wurde.

Ein Beispiel: Einmal ist eine schemenhafte Kindergestalt hinter dem Vorhang schlicht dem sich dahinter befindenden Heizungsschacht zu verdanken. 

Es ist unglaublich wie viel Alkohol die Charaktere im Laufe des Roman konsumieren, außerdem wirken viele Handlungen schlicht unglaubwürdig und konstruiert.
Spoiler, zum Lesen markieren: »Da wird David halb tot zusammen geschlagen und auf dem Friedhof festgebunden zurück gelassen. Doch trotz Blutverlust und Minusgraden überlebt er dort eine Nacht im Freien ohne Decke etc.! Und dann gibt sich die Polizei nicht einmal den Anschein, sich darum zu kümmern, sondern machen im Gegenteil David Vorwürfe.« 
Extrem nervend ist auch die Fixierung des Autors auf Davids Geschlechtsteile. Ständig ziehen sich dessen Eier in die Bauchhöhle zurück oder verschrumpeln vor Kälte.

Der Anfang macht durchaus neugierig, zahlreiche Andeutungen und kleinere Vorkommnisse ziehen einen in die Geschichte, doch ab etwa einem Drittel verstrickt sie sich in Belanglosem, voller langweiliger Charaktere. Die Gruseleffekte sind zu spärlich gesäht, echter Horror kommt praktisch nie auf. Und das bei einem Buch, welches in zahlreichen Rezensionen als unglaublich gruselig geschildert wurde. Es ist viel eher ein seichter Krimi mit vereinzelten, schwachen Mysteryelementen.

Was die Geschichte vor dem absoluten Flop bewahrt ist das Geheimnis um den kleinen Jungen, der früher in Davids Haus lebte und spurlos verschwand. Man stellt Vermutungen an und wird geschickt in die Irre geführt. Die Auflösung hat einiges für sich, war aber nicht wirklich befriedigend.
Das Ende dagegen ist überflüssig und hinterlässt einen schalen Beigeschmack. War die Geschichte nun echt, ausgedacht, ein Traum, nur einer von Davids Romanen oder war er am Ende sogar die ganze Zeit selbst ein Geist.
Die zeitlichen Abläufe des letzten Kapitel (Epilog) sind mehr als unrealistisch und die letzten Sätze werfen mehr Fragen auf, als sie beantworten. So endet ein zu unrecht als Horror und Grusel deklarierter Roman mit Enttäuschung und einem genauso wirren Ende, wie Anfang.

Wertung:

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