Zitat:

Ein Raum ohne Bücher ist wie ein Körper ohne Seele ... [Cicero]

Samstag, 13. Dezember 2014

So finster, so kalt von Diana Menschig

Titel: So finster, so kalt
Autor: Diana Menschig
Verlag: Knaur, Taschenbuch
Seiten: 380
ISBN: 978-3-426-51493-1

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Rezension: Merle, die seit einiger Zeit von schrecklichen Albträumen geplagt wird, hat einen schweren Verlust zu ertragen, als ihre geliebte Oma Mago stirbt. Diese lebte in einem kleinen "Hexenhäuschen", wie es von der Familie liebevoll genannt wird. Direkt daneben befindet sich der verbotene Garten. Einige Kinder der Gemeinde betreten den Garten von Neugier getrieben und befreien dadurch unbeabsichtigt etwas Altes und Böses. In Unterlagen, die Merle von ihrer Großmutter hinterlegt bekommen hat, findet sie die Geschichte von "Hans vom Wald" aus dem 16. Jahrhundert, dessen Bericht die Vorlage für das Märchen "Hänsel und Gretel" sein könnte. Merles Oma war gar davon überzeugt, dass Hans einer ihrer Vorfahren sei und die Geschichte nicht einfach nur ein Märchen ist. Merle beauftragt einen Experten für Märchen und Sagen namens Jakob Wolff, doch zunächst zweifelt sie am Wahrheitsgehalt der Geschichte. Zu unheimlich und unwirklich wirkt, was Hans berichtet. Doch dann verschwinden Kinder aus Omi Magos Dorf und alles weißt darauf hin, dass das Böse, das Hans einst bekämpfte wieder zurück ist.

Zu erst einmal, es ist keine richtige Nacherzählung des bekannten Märchens, aber man findet viele Elemente von "Hänsel und Gretel" und auch anderen Märchen wieder. Eben nur eingewoben in der grauen Gegenwart, in die sie anfangs nicht hinein zu passen scheinen, bis sich Merle darauf einlässt und die Erblast ihrer Familie erkennt.

Zitat: »Merle lag auf dem Rücken und riss die Augen auf. Sie wollte schreien, doch auf ihrer Brust saß ein kleines Wesen, das ihr mit seinem Gewicht die Luft abschnürte. [...] Das Wesen bohrte seine Fersen oder Fäuste in ihren Leib. [...] Sie ließ das Nachthemd fallen und betrachtete die zwei schwachen, blauen Flecke genauer. Sie hatten die Größe von Golfbällen, und tatsächlich fühlte es sich so an, als hätten zwei davon sie in vollem Flug getroffen. Oder als hätte ein kleines Männchen ihr seine Fersen in die Rippen gebohrt.«

Merle wird zu Beginn als Karrierefrau gezeichnet, die mit beiden Beinen fest im Leben steht, jedoch von schrecklichen Albträumen geplagt wird und schließlich durch den Tod ihrer Großmutter gänzlich aus der Bahn geworfen wird und ihr ganzes bisheriges Leben zu überdenken beginnt. Sie wirkt etwas unterkühlt und man braucht etwas, um mit ihr warm zu werden.
Auch Jakob, der Experte für Sagen und Märchen, den sie wegen der Unterlagen ihrer Omi zurate zieht, kann man anfangs schlecht einschätzen. Beide raufen sich im Laufe der Geschichte jedoch zusammen und es entwickelt sich eine echte Beziehung, die immer wieder von Merles Verfolgungswahn und ständigem Misstrauen gestört wird. Manchmal würde man sie dafür am Liebsten schütteln und fragen, wo ihr Problem ist.
Jakob hingegen spielt nicht immer mit offenen Karten und verspielt sich so ständig wieder auf's Neue Merles gewonnenes Vertrauen.
Die Bettgeschichte der Beiden fand ich etwas störend und auch die kitschigen Szenen am Schluss wirkten unpassend für die Geschichte.

Dafür packt einem die Erzählung um Hans umso mehr. Immer wieder werden Kapitel zwischen geschoben, in denen seine Geschichte weiter erzählt wird. Teils aus den Dokumenten von Oma Mago, teils aus einer Art gemeinsamer Erinnerung heraus, die Merle immer häufiger als Visionen befallen. Einige Szenen, dieses Berichtes sind sehr brutal, ekelhaft und vor allem gruselig.

Einst wurde er von einem Wesen in Gestalt eines Mädchens entführt. Ein Mädchen, dessen Augen rot leuchten können und das er selbst Greta, nach seiner verstorbenen Schwester tauft. An einem alten Häuschen erfüllt sich sein Schicksal. Er wird gezwungen die alte Frau, die eine Art weiße Hexe zu sein scheint und das Haus bewohnt, zu töten. Gerade als diese ihrerseits versucht Greta zu bannen. Doch Hans begreift da noch nicht, wer gut und wer böse ist. Von nun an wohnen er und Greta dort. Schon bald bemerkt Hans, dass Sie unmöglich menschlich sein kann, doch zu diesem Zeitpunkt ist es bereits zu spät. Er zeugt mit diesem Wesen gar einen Sohn, nach dessen Geburt Greta zunächst verschwindet. Doch ihrer Leben sind für immer miteinander verbunden, bis ... 

Das ganze ist im Stil eines klassischen Schauerromans gehalten unter dem Motto, was wäre wenn, ein Märchen wirklich auf einen Funken Wahrheit aufbaut.
Die Stimmung wird ab dem Moment, an dem die Kinder in Magos Dorf verschwinden immer bedrückender und düsterer.
Mit Greta hat Frau Menschig wirklich eine Figur mit ganz eigenem Charm erfunden. Kalt, zerstörerisch, mystisch und unheimlich. Eine ganz neue Interpretation der Gretel, wie man sie aus dem Märchen kennt und in diesem Fall eindeutig das personifizierte Böse - ein Teufel, wie Hans sie bezeichnet. Sie hat mich sogar in meine "Albträume" verfolgt.

Spannend wird es, sobald man bemerkt, wann Merles Wege Hans' bereits gekreuzt haben. Sogar das kleine Hexenhäuschen mit den drei Katzen, scheint ein Eigenleben zu führen und wächst einem regelrecht ans Herz.
Wie sich die Ganze Geschichte dann auflöst, ist wirklich gelungen. Immer wieder kreuzen dabei unterschiedliche Märchen die Storyline.

Schade ist, dass es keine Erklärung für das Männchen (offensichtlich ein Albdruck) gibt. Auch Hans Schicksal nach den Ereignissen ab Seite 280 und dem Ende wirft immer noch einige Fragen auf.

Trotzdem packt einen die Geschichte und ist ideal für ein schauriges Prickeln während der dunklen Jahreszeit. Und als Bonus gibt es das Original "Lebkuchenmännlein" Rezept noch oben drauf.

Wertung:

Kommentare :

  1. Das klingt aber mal nach einem richtig spannendem Buch, trifft total meinen Nerv. Ich liebe Märchen und so Neuauflagen haben irgendwie ihren ganz eigenen Charme. Na und bei 4 von 5 Sternen kann ich ja nicht viel falsch machen. Schöne Rezi und das zweite Zitat bringt mich ja fast um vor Neugier ^^

    Ich hab mir mal erlaubt dich für den Wander-TAG
    zu taggen, falls du magst würde ich mich freuen wenn du mitmachst.

    P.S. das mit der Leseleuchte am EReader ist ein toller Tip, den werde ich gleich mal meiner Mama geben ^^

    Liebe Grüße,
    Jenni

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    1. Dann lass' dich überraschen. Ich hab es wirklich gerne gelesen und diese Gretel hat mir echt einen üblen Albtraum verschaft. ;)

      Freut mich, dass dir auch die Leseleuchte gefällt, werde die nächste Zeit noch einige aus meinem Fundus vorstellen. Das ist bisher die einzige mit Clip, die man auch an einen Reader anbringen kann. Ansonsten finde ich auch die Leseeier aus dem 1. Teil super. :D

      LG, Nadine.

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