Zitat:

Ein Raum ohne Bücher ist wie ein Körper ohne Seele ... [Cicero]

Dienstag, 14. Oktober 2014

Das Haus der vergessenen Bücher von Christopher Morley

Titel: Das Haus der vergessenen Bücher
Autor: Christopher Morley
Verlag: Atlantik, gebunden
Seiten: 254
ISBN: 978-3-455-60012-4

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Rezension: Mr. und Mrs. Mifflin betreiben ein Antiquariat in dem es spunkt. Die Geister alter Klassiker wabern hier genauso durch die Gänge wie Pfeiffenrauch. Von Werbung will der gauzige Besitzer nichts wissen, als der Gründschnabel Aubrey ihm seine Arbeit anpreist. Dafür nimmt er eine junge Dame namens Titania unter seine Fittiche, um sie auf den rechten Weg zu führen. Werbefritze Aubrey ist vom Fleck weg begeistert von Titania und fürchtet sie in Gefahr, als ein Buch des Autor Cromwell immer wieder auf mysteröse Weise verschwindet und an den seltsamsten Orten wieder auftaucht. Aubrey wird deshalb sogar tätlich angegriffen. Was haben ein Koch und ein Apotheker damit zu tun und steckt der alte Mr. Mifflin womöglich sogar mit ihnen unter einer Decke? Wollen sie die holde Titiania am Ende sogar entführen und von ihrem reichen Vater ein Lösegeld erpressen. Aubrey ist entsetzt und beginnt das Antiquariat zu beschatten, doch die Ausmaße der Verschwörung, die er aufdeckt überraschen selbst ihn.

Das Buch will vieles sein: ein Krimi, eine Hommage an das geschriebene Wort und eine Liebesgeschichte. Doch nichts davon ganz und gar. Mr. und Mrs. Mifflin, mit ihrem Hund Bock wachsen einem sofort ans Herz. Ein liebes altes Ehepaar, dass die Liebe zu alten Büchern teilt. Aubrey dagegen lag mir leider überhaupt nicht, er nimmt sich selbst zu wichtig.
Es ist amüsant der Geschichte zu folgen, in der Mr. Mifflin immer wieder über Schundlitertaur herzieht, die heute teilweise als echte Klassiker gelten. Dazu die unzähligen Zitate, ganze Aufzählungen von Literatur und Auseinandersetzungen mit dem Thema Krieg. Durch das ganze Buch hindurch ist die Liebe Mr. Mifflins zur Literatur spürbar und er bringt einem mit seinen Zitaten immer wieder dazu eines der genannte Bücher tatsächlich auch selbst einmal in die Hand zu nehmen.
Sicher die Sprache wirkt altbacken und überholt, doch das Buch stammt schließlich auch von 1919. Ich finde es herrlich erfrischend, dass die Sprache nicht, wie bei vielen anderen Romanen modernisiert wurde. Das macht einen Teil des Flair aus.
Schade ist nur, dass manche der genannten Bücher, nie auf Deutsch übersetzt wurden und deshalb auch nur die englischen Titel zu lesen sind, teilweise sogar französische. Hier wäre ein Anhang gut gewesesen, der ganz kurz die Thematik dieser Bücher anreißt, damit man besser mit kommt. Das einige der Titel nicht einmal wirklich existieren, fand ich allerdings etwas störend, ich denke es gibt genug echte und wirkliche gute Bücher, die man dafür heranziehen hätte können. Der Autor beweist hier, dass er mindestens genauso schrullig ist, wie sein Charakter Mr. Mifflin. 

Ganz im Sinne von Mr. Mifflin, hier mein Lieblingszitat: »Man umgebe einen Menschen mit Carlyle, Emerson, Thoreaum Chesterton, Shaw, Nietsche und George Ade - ist es ein Wunder, wenn er in Erregung gerät? Wie würde es einer Katze ergehen, wenn sie in einem Zimmer leben müsste, das mit Katzenminze tapeziert ist? Sie würde verrückt werden.« (Seite 21)

Die Geschichte und die Krimi-Elemente entwickelt sich recht ruhig und alles um ein Buch herum, von dem wir bis zum Schluss nicht wirklich erfahren, um was es darin geht. Dazu die zarte Liebesgeschichte, die zuerst unter keinem guten Stern steht und überhaupt erst Aubreys Anreiz ist, sich näher mit dem Cromwell zu befassen. Es ist stellenweise fast witzig mit welchem Elan sich Aubrey in seine Ermittlungen stürzt und welche Gedankengänge ihm dabei durch den Kopf gehen. Parallel dazu erfahren wir immer wieder von Mr. Mifflin, seinen Beweggründen und Träumen. Beides steht in einem interessanten Kontrast zu dem, was Aubrey in dem kauzigen Buchhändler sieht. Die Auflösung der ganzen Ränke und Geschehnisse um den Cromwell hauen einem dann wirklich aus den Socken und bietet einige amüsante, aber auch traurige Momente. Nie im Leben rechnet man damit, dass eines von Mr. Mifflins Zitaten so wörtlich genommen werden könnte.

Spoiler, zum Lesen markieren: »Einen kleinen Wermutstropfen gibt es jedoch, Bock stirbt. Er ist der eigentliche Held der Geschichte, nicht Aubrey, der die Lorbeeren erntet. Bock opfert sein Leben, um seine Menschen zu retten.« 

Ein tolles Buch für Menschen, die auch schon den ein oder anderen Klassiker gelesen haben und eine Vorliebe für ungewöhnliche Geschichten haben. Ich kann es nur jedem ans Herz legen, der schrullige Charaktere und literarische Krimis liebt.

Wertung:

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