Zitat:

Ein Raum ohne Bücher ist wie ein Körper ohne Seele ... [Cicero]

Montag, 25. August 2014

Das Affenhaus von Sara Gruen

Titel: Das Affenhaus
Autor: Sara Gruen
Verlag: Kindler, gebunden
Seiten: 416

Rezension: Kurz nachdem John zusammen mit seinem Team das Forschungslabor von Isabel und ihren Bonobos besucht hat, einem Sprachlabor welches die sprachlichen Fähigkeiten von Bonobos erforscht, wird das Labor Opfer eines Anschlags. Dabei wird Isabel schwer verletzt und die Affen flüchten in Panik nach draußen. Als scheinbare Verursacher outet sich eine militante Tierschutzorganisation. Nachdem man die Bonobos wieder eingefangen hat, werden sie verkauft, aus Angst vor weiteren Anschlägen. Als Isabel entlassen wird versucht sie die Verkäufer zu ermitteln, doch die Bonobos scheinen wie vom Erdboden verschluckt. John währenddessen, kämpft mit beruflichen und privaten Veränderungen. Seine Frau, eine gescheiterte Autorin, will sich als Drehbuchautorin versuchen, er verliert seinen alten Job und kommt bei einem Revolverblatt unter, von dem er sich zunächst nicht viel erhofft.

Nach und nach kommt Isabel zusammen mit der Praktikantin Celia auf die Spur ihres Ex-Verlobten Peter, der Drahtzieher der ganzen Sache zu sein scheint. Da tauchen die Affen plötzlich als Akteure einer Live-Fernsehshow wieder auf, die sich schlicht „Das Affenhaus“ nennt. Doch die Zeit tickt, denn eines der Bonobo Weibchen ist hochträchtig und die Quoten bringen nicht den gewünschten Erfolg …

Die ersten Kapitel dienen dazu die Hauptcharaktere einzuführen und uns mit den Bonobos bekannt zu machen. Man erfährt hier viel wissenswertes zu unseren oft unterschätzten Verwandten. Außerdem bieten die Charaktere jede Menge Möglichkeiten zur Entwicklung der Geschichte und machen neugierig wie es weitergeht.
Was so langsam beginnt hat einen ersten Höhepunkt in der Explosion, die das Labor zerstört und Isabel, die Forscherin, die sich mit den Bonobos befasst, schwer verletzt. Es macht einen wütend zu lesen, wie die Menschen anschließend mit den zu Tode verängstigten Bonobos umgehen, indem sie sie einfach von den Bäumen schießen. Isabel kann vom Krankenhaus aus nur hilflos zusehen und auch als sie entlassen wird ist sie zunächst so zwischen Angst und Sorge gefangen, dass ihre Versuche die Bonobos wieder zu finden halbherzig wirken. Nicht ganz deutlich wird hier wie viel Zeit genau zwischen den einzelnen Genesungsphasen vergangen ist. Ob die zeitliche Abfolge da ganz stimmt ist nicht klar, vor allem da eines der Weibchen schon zu Beginn tragend ist, die Heilung und einzelnen OPs von Isabel aber mindesten mehrere Monate gedauert haben müssen.
Ab etwa der Mitte beginnt das Tempo dann etwas anzuziehen, sowohl im privaten Bereich der Charakter, als auch in Sachen Bonobos kommt langsam Schwung auf. Die einzelnen Erzählstränge beginnen sich langsam anzunähern und machen Sinn. Selbst die Nebengeschichte um John und seine Frau Amanda wirkt nicht aufgesetzt, sondern gibt eine interessante Randhandlung ab.
Als Isabel und John dann endlich gemeinsam versuchen die Bonobos zu retten, geht es auf einmal fast schon zu schnell zu Ende. Es werden zum Schluss jedoch noch einmal ein paar liebenswerte neue Charaktere eingeführt. Die Auflösung der privaten Twistigkeiten der einzelnen Personen ist sehr gelungen gelöst. Überhaupt hat mir die Mischung aus persönlichen Problemen, die jeder Chara mit sich herum tragen musste und dem großen gemeinsamen Kernpunkt, die Affen zu retten sehr gut gefallen. Es hat die Charaktere greifbarer und menschlicher werden lassen. Vor allem Isabel macht hier eine erstaunliche Wandlung durch, von der introvertierten Wissenschaftlerin hin zur weltoffenen Frau.

Insgesamt muss ich nun sagen, dass es dem Buch gelungen ist mein Bild über Menschenaffen zu ändern. Habe viel erfahren, was man sonst eher weniger über die Tiere erfährt und oft leider auch fehlinterpretiert. So zum Beispiel die Sache mit der "Scheiße werfen"! Es wirft ein ganz anderes Bild auf unsere nächsten Verwandten, wenn man sich ihrer Intelligenz erst einmal richtig bewusst wird und vor Augen hält, dass ihr Verhalten genauso von Gefühlen gesteuert wird wie unseres und nicht nur von reinem Instinkt. Ich bin eine ausgesprochene Tierfreundin, aber selbst ich unterschätze manche Tiere leider immer noch. Und die Bonobos werden da wohl nicht die einzigen sein, denen es mit uns Menschen so ergeht. Leider!

Irreführend jedoch ist die Inhaltsangabe auf der Rückseite des Buches, denn die Affen flüchten nicht und müssen aufgrund dessen gesucht werden, sondern sie werden eingefangen und verkauft.

Mein Fazit, ein Thriller, dessen Schwerpunkt nicht auf Aktion liegt, sondern dem menschlichen bzw. tierischen Zwischenspiel und vor allem den Verbrechen, denen Tiere unter uns Menschen immer noch viel zu oft zum Opfer fallen. Es ist ein Anstoss umzudenken, ein leichter wissenschaftlicher Thriller mit weit sichtbarer Botschaft: Tiere als fühlende und intelligente Wesen zu akzeptieren.

Info: Bitte das Nachwort auf keinen Fall überlesen, schon allein wegen der interessanten weiterführenden Literatur, die uns die Autorin hier nennt.

Wertung:

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